Der Mann, der die Rassenausschreitungen voraussagte

Theodore Dalrymple: The Man who predicted The Race Riots  

http://www.city-journal.org/html/12_2_oh_to_be.html Frühjahr 2002(übers. Regine van Cleev)

Ehe ich kurze Zeit in Südafrika lebte und arbeitete unter dem Apartheid-Regime, habe ich keine Stadt mit solcher Rassen-Segregation gesehen wie Bradford im Norden Englands. In Südafrika war die Rassentrennung natürlich gesetzlich bedingt, und die einzige Strasse, die die afrikanischen Townships von den Residenzen und Geschäftsdistrikten der Weissen trennte, konnte leicht abgesperrt werden durch ein bis zwei Panzerwagen. Wenn es dann zu Ausschreitungen der Schwarzen kam, würden sie, mit den Worten meines afrikanischen Informanten, nur ‘ihr eigenes Nest beschmutzen.’.

Es versteht sich, dass es kein Gesetz gibt zur Trennung der Rassen in Bradford. Aber Steinmauern machen kein Ghetto: daher kommt es, dass man in einem Teil von Bradford meinen könnte, es handle sich um eine typisch nördliche britische Stadt, fast vollständig von einer weissen Arbeiterklasse dominiert, und in einem anderen (den man nur mit Auto auf einer einzigen Hauptstrasse erreicht, die die Stadt entzweischneidet) könnte man meinen, es sei ein Aussenposten des Islam, dessen Bewohner ihre Niederlassungs-Hemisphäre gewechselt haben, aber nicht ihre Kultur und ihre Lebensart.

Einst eine blühende Woll-Manufakturstadt, erreichte Bradford einen Gipfel des Wohlstands in der zweiten Hälfte des 19. Jh., ehe sein Erfolg verflog, ein Erbe von städtischem Stolz und Pracht hinterlassend, von herrlichen öffentlichen Gebäuden im Stil der Neugotik und Neurenaissance (Auf den Kopf eines Millionärs aus Bradford setzte Eliot sarkastisch einen Silberhut in The Waste Land.) Selbst viele der Terrassenhäuser der Arbeiterklasse sind elegant und aufwendig in Stein gebaut, sodass weite Gebiete der Stadt so aussehen wie Bad mit Textilfabriken.

Ein wunderschöner Teil der Stadt, Hanover Square, ist eine kleines Meisterwerk viktorianischer Stadtarchitektur: Es war lange die Residenz von Margaret McMillan, die vor gut 90 Jahren die Britische Krankenschwesternschulen-Bewegung gründete und sich für die Verbesserung der Schulbildung in der Arbeiterklasse einsetzte. Heute ist kein weisses Gesicht zu sehen in dem Viertel, und auch nicht das einer Frau. Es gibt ausschliesslich Männer auf den Strassen, gekleidet wie für den Nord-West-Grenzschutz. (abgesehen von den nicht dazu passenden Turnschuhen); eine Gruppe von ihnen walzt dauernd um ein Haus herum, das als eine Madrassa fungiert, oder eine Muslim-Schule. Die berühmte Zeile von Horaz von vor zweitausend Jahren kommt mir in den Sinn: die über die See fahren, sie wechseln ihren Himmel, nicht ihre Seelen.

Das informelle Ghetto, das die Rassen fast so wirksam trennt wie die formellen von Südafrika, macht nichtsdestotrotz inter-rassische Ausschreitungen viel leichter. Und im Juli letzten Jahres, nur ein paar Wochen vor dem 11. September, brachen in der Tat schwere Ausschreitungen (die schlimmsten in Grossbritannien seit 20 Jahren) in Bradford und anderen ähnlichen nördlichen englischen Städten wie Blackburn und Oldham aus. Weisse Gangs stiessen mit Pakistanis zusammen, und sie machten sich einige Tage einen Spass aus Plünderungen und Brandstiftung., in der bequemen Illusion, dass sie für eine Sache kämpften. Die jungen Weissen glaubten selber von den jungen Muslimen um etwas gebracht worden zu sein, ohne dass die jungen Muslime glaubten, irgendetwas von den jungen Weissen geerbt zu haben. Beide Gruppen waren vereint im Ressentiment.

Ein Mann war überhaupt nicht überrascht über diesen Ausbruch von Rassenfuror. Das war Ray Honeyford, der Schuldirektor einer Mittelschule in einem Immigrantengebiet von Bradford in den frühen 1980ern. Er wusste, dass die offizielle multikulturalistische Erziehungspolitik, deren Umsetzung man von ihm erwartete, früher oder später zu solchem sozialem Desaster führen würde wie diesen Ausschreitungen, und als er wiederholt den Unsinn dieser Politik in Druckform anprangerte, lancierten die Befürworter der Unterschiedlichkeit – die behaupten, dass alle Kulturen gleich sind, aber dass andere als ihre Meinungen verboten sind – eine bösartige Schmähcampagne gegen ihn. Für mindestens zwei Jahre war die Nation in die Honeyford-Affäre vertieft, wie sie genannt wurde, die endlose Zeitungs- und Rundfunkkommentare auf den Plan rief, der Mann selbst wurde oft als ein geradezu mörderischer Rassist gebrandmarkt und schlisslich aus seinem Job hinausgemobbt. Es ist scheint’s kein Zorn in der Hölle so gross wie der eines Multikulturalisten, dem man widerspricht.

Natürlich haben die Ereignisse des 11. September die Aufmerksamkeit wenigstens einiger britischer Köpfe verstärkt auf Fragen der kulturellen Unterschiedlichkeit und der Gruppen-Loyalitäten gelenkt. Eine erschreckend hohe Anzahl von britischen Muslimen von verschiedenem Hintergrund unterstützte Al Quaida.

Drei der Gefangenen, die jetzt in Guantanamo festgehalten werden, kamen von Grossbritannien, sie alle sind Produkt des heimischen Milieus, wie es jetzt in Bradford und sonstwo tausendfach existiert. Zwei Ph.D. in Chemie bengalesischer Herkunft stehen vor Gericht in Birmingham, angeklagt (nicht zum erstenmal) der Verschwörung, Sprengstoff zu terroristischen Zwecken herzustellen, und sie haben wohl kaum nur als einzelne Individuen gehandelt. Verschiedene britische islamische Wohltätigkeitsvereine wurden überführt, Gelder an die Terroristen weitergeleitet zu haben. Richard Reid, der versuchte, ein transatlantisches Flugzeug mit Semtex in seinen Turnschuhen in die Luft zu sprengen, war in einem britischen Gefängnis zum Islam konvertiert. Der neuerdings in Alarmbereitschaft versetzte Geheimdienst in dem Gefängnis, wo ich arbeite, glaubt inzwischen, dass die Hälfte der muslimischen Gefangenen dort mit der WTC-Attacke sympathisiert, und da muslimische Gefängnisinsassen bei weitem die am schnellsten wachsende Gruppe von Gefangenen in britischen Gefängnissen sind, schon weit überrepräsentiert in der Gefängnis-Population in Grossbritannien, sollte das genügen, um die Selbstzufriedensten zu beunruhigen. Die britischen Eliten, so scheint es, hätten weit besser daran getan, Honeyford zu beachten statt ihn zu verunglimpfen vor fast zwei Jahrzehnten.

Honeyfords grundlegende Ideen waren so logisch, sensibel und zusammenhängend wie sie unmodern waren. Er argumentierte, dass 20 % der Bevölkerung von Bradford, die islamische Immigranten waren, sich in Grossbritannien aufhielten, um dort zu bleiben, ohne Absicht zurückzukehren in ihre Heimat, und dass sie sowohl in ihrem eigenen Interesse als auch in dem Grossbritanniens voll integriert werden müssten in die britische Gesellschaft. Die Kinder der Immigranten müssten spüren, dass sie wirklich britisch wären, wenn sie voll am Leben der Nation teilnehmen wollten, und sie könnten nur dann eine britische Identität erlangen, wenn ihre Erziehung den Primat der englischen Sprache betonte, zusammen mit englischer Kultur, Geschichte und Tradition.

Honeyford glaubte nicht, dass die kulturelle Identität, die nötig ist, um die Balkanisierung unserer Städte in Richtung sich bekriegender ethnischer und und religiöser Fraktionen zu verhindern, eine langweilige kulturelle und religiöse Uniformität implizierte. Im Gegenteil, er brachte das Beispiel der Juden (die am Ende des 19. Jhts in namhafter Anzahl nach Britannien emigrierten einschliesslich nach Bradford und das nahegelegene Manchester) als Beispiel für das, was er meinte. Innerhalb einer Generation gelang es den jüdischen Ankömmlingen trotz des anfänglichen Vorurteils gegen sie, einen weithin unverhältnismässig hohen Beitrag zu den oberen Rängen des nationalen Lebens zu liefern, als Akademiker, Kabinettsminister, Unternehmer, Ärzte und Anwälte, Publizisten und Künstler.

Die Aufrechterhaltung ihrer eigenen Tradition was völlig ihre eigene Angelegenheit, und sie beruhte ganz und gar nicht auf offizieller Patronage oder der Doktrin des Multikulturalismus. Das war Honeyfords Ideal, und er sah keinen Grund, weshalb dieses Modell nicht wieder funktionieren sollte, gäbe man ihm eine Chance. (Was wir für eine Fehleinschätzung halten, denn die Juden waren und sind eine immer wieder verfolgte Gruppe, während die Muslime als Verfolger von Ungläubigen und Eroberer eine Tradition des Herrenmenschentums haben, die den Islam nicht zur Anpassung an andere Kulturen befähigt, sofern die Moslems ihre Orthodoxie beibehalten. Die Sichel)
Als der Sturm über sein Haupt hereinbrach 1984, war Honeyford seit vier Jahren Rektor der Drummond Middle School. Seine Schule war ein weiteres prächtiges Stück hochviktorianischer öffentlicher Architektur, gross ohne überladen zu sein, das seinen Schülern implizite ästhetische und moralische Lektionen .vermittelte, wie bescheiden immer das Heim sein mochte, aus dem sie kamen. Das kulturellen Vertrauens, das solch ein Schulgebäude hervorgebracht hatte, brach jedoch bald vollständig zusammen: nach seinem Abschied als Schulleiter bekam die Drummond Middle School schnell einen neuen Namen auf Urdu und wurde dann von einem Brandstifter irreparabel niedergebrannt, was auch mit einer ähnlichen Schule in der Nachbarschaft geschah, die heute völlig verunstaltet ist. Alle Kinder in diesem Gebiet gehen jetzt zur Schule in den unmenschlich hässlichen Gebäuden der modernen britischen Architektur, deren Kombination von Le Corbusier-Funktionalismus, ökonomischer Strenge und schlechtem Geschmack eine komplette visuelle Erziehung in Brutalität darstellt.

Honeyford geriet unter Beschuss, als er einen Artikel veröffentlichte, der den Unsinn der multikulturellen Erziehung offenlegte in der konservativen Salisbury Review, nachdem das würdige aber langweilige Times Educational Supplement, für das er vorher geschrieben hatte, ihn abgelehnt hatte. Dass der Artikel in der Salisbury Review erschien, war fast so anstössig wie sein Inhalt: denn in dem neune, offiziell multikulturellen England ist die Art des kulturellen Konservatismus der Review indiskutabel. Der Name der Review erscheint kaum je ohne die Qualifizierung, dass sie rasend rechts-extrem sei, womit gesagt wird, dass kein intellektuelles Engagement im Sinne der Ideen, die dort vertreten sind, überhaupt noch nötig ist – nur die Art von Opposition, die für den Umgang mit Braun- und Schwarzhemden angemessen ist. Die Meinung ist frei, versteht sich, aber einige Meinungen sind freier als andere.

In seinem Artikel zählte Honeyford einige der Probleme und Widersprüche des Multikulturalismus auf. Die Entwertung der Sprache, die Multikulturalisten und Anti-Rassisten zustandegebracht haben, argumentierte er, hat es extrem schwierig gemacht, die rassischen und kulturellen Probleme redlich und deutlich zu diskutieren. Indem man alle ethnischen Minderheiten als Schwarze zusammenfasst, um einen falschen Gegensatz zwischen weissen Unterdrückern einerseits und allen Minderheiten anderseits zu erzeugen, konnten zum Beispiel diese Bürokraten solche komplexen und unangenehmen Realitäten wie die andauernde Feindschaft zwischen Sikhs und Muslims oder die schlechte Behandlung der Frauen vernebeln. Nur mit dieser freiwilligen Blindheit können die Grundsätze des Multikulturalismus, des Feminismus und der universalen Menschenrechte miteinander in Einklang gebracht werden. Honeyford zitierte Orwell dahingehend, dass es der Zweck der politisierten Sprache ist, Lügen wahr klingen zu lassen und den windigsten Dingen den Anschein von Solidität zu geben.

Er brachte ein sehr konkretes Beispiel dafür, wie die multikulturelle Denkungsart die Erziehung verdirbt. Immiganteneltern, stellte er fest, schicken ihre Kinder häufig für Monate oder Jahre zurück nach Pakistan und Bangladesh, oft um zu verhindern, dass sie irgendwelche britischen kulturellen Eigenarten erwerben. Obwohl diese Praxis von offensichtlichem sozialem und erzieherischem Nachteil ist für Leute, die ihr Leben als Erwachsene in Grossbritannien verbringen sollen,—und obwohl es zudem buchstäblich illegal ist – drückten die Behörden die Augen zu. Das britische Gesetz verpflichtet Eltern, sobald einmal ein Kind an einer Schule angemeldet ist, sicherzustellen, dass es sie regelmässig besucht. Alle weissen Eltern, die ihr Kind so lange von der Schule fernhielten, würden unzweifelhaft strafverfolgt und bestraft werden. Im Fall der Kinder von Immigranten jedoch übten die Schulbehörden niemals Druck aus, sondern hielten die Lehrer an, die Plätze der Abwesenden unbegrenzt frei zu halten und ihre Abwesenheit als eine kulturelle und daher bereichernde Erfahrung zu betrachten. Wie Honeyford zusammenfasst: Mir blieb die ethisch nicht vertretbare Aufgabe, eine Schulbesuchspolitik zu vertreten, die nicht, wie das Gesetz verlangt, auf der individuellen Verantwortung der Eltern beruht, sondern auf dem Herkunftsland der Eltern.—eine krasse und offiziell sanktionierte Politik der Rassendiskriminierung. Siebzehn Jahre nachdem er das Problem beschrieb, ist es immer noch ungelöst.

Honeyfords Artikel stellte auch die unberechtigte aber weitverbreitete Annahme in Frage, wonach Unterschiede in der schulischen Leistung zwischen verschiedenen Gruppen nichts als eine unfaire Diskriminierung widerspiegeln. Im Times Educational Supplement hatte, Honeyford bereits den grossen und zunehmenden Schulerfolg einiger Untergruppen indischer Einwanderer erwähnt, die er mit deren Wertesystem in Verbindung brachte – mit der offensichtlichen Schlussfolgerung, dass der bildungsmässige Misserfolg anderer Gruppen nicht einem britischen rassistischen Vorurteil zuzuschreiben war. Woraufhin eine schwarze Pressure-group in London ihn als einen krassen Rassisten brandmarkte und dann seine Entlassung verlangte, falls er nicht in massive Dienst-Trainings-Kurse zur Säuberung von seiner rassistischen Ideologie einwilligte.

Schlussendlich, und noch weniger verzeihlich, erwähnte Honeyford noch das Los einer anderen ethnischen Minorität in seiner Schule: der weissen Kinder, die , als der Artikel erschien, gerade mal fünf Prozent der Schüler ausmachten. Deren Erziehung litte in einer Schule, die von Schülern aus nicht-englischsprachigen Häusern dominiert werde, sagte er, und er wies darauf hin, dass die offiziellen Schulvertreter ihre Situation nicht berücksichtigten, weil ihre Eltern, schlecht ausgebildet und nicht artikulationsfähig, keine Pressure-group bildeten und man kein politisches Kapital aus ihnen schlagen konnte. (Einst, in den 1960ern, hatte der Rat der Stadt versucht, die Kinder nicht englischsprachiger Immigranten auf Schulen über die ganze Stadt zu verteilen, genau um die Entwicklung von Ghetto-Schulen wie der von Drummond zu vermeiden, aber Experten für Rassen-Beziehungen und Bürokraten erklärten diese Prxis als diskriminierend und stoppten sie folglich – zu Honeyfords Bedauern.

Niemand hätte Honeyfords Artikel beachtet, – die Salisbury Reviews hatte eine extrem kleine Verbreitung – hätte die Lokalzeitung nicht die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, aber dann kam eine unaufhörliche Kampagne gegen ihn in Fahrt, unter Führung lokaler Politiker und Pressure-groups, von denen einige ausdrücklich ansprangen, um ihn zu feuern. Er erhielt etliche Todesdrohungen, die die Polizei ernst genug nahm, seine Wohnung via ein Alarmsystem direkt mit der lokalen Polizeistation zu verbinden. (Ich wiederhole: Er hatte nur vorgeschlagen, dass muslimische Kinder voll in die britische Gesellschaft integriert werden sollten.—genau das Gegenteil von der Unterstellung, dass sie diskriminiert werden sollten oder irgendwie schlecht behandelt.) Über Monate musste er seine Schule unter Polizeischutz betreten, zum Schutz vor einer kleinen, aber militanten Gruppe von Streikposten, die sich draussen formiert hatten und jedesmal an Grösse und Umfang zunahmen, wenn eine Fernsehkamera auftauchte. Ein paar kleine Kinder, zu jung, um zu verstehen, worum es ging, schrieen ihm mit ihren Eltern entgegen: Ray-cist! Ray-cist! und hielten denunziatorische Plakate hoch., darunter einige mit einem Totenschädel und gekreuzten Knochen über seinem Namen. Die Erziehungsbehörde von Bradford erwog die Möglichkeit einer gerichtlichen Verfügung gegen die Demonstranten, als Kinder, die immer noch die Schule besuchten, ebenso beleidigt wurden, aber dann entschied sie, dass eine solche Verfügung die Leidenschaften nur nochstärker entzünden würde. Auf diese Weise lernten die Extremisten eine wertvolle Lektion: dass Einschüchterung sich auszahlt.

Keine Beleidigung war zu skurril, um nicht Honeyford entgegengeschleudert zu werden. Eine Presse-Verlautbarung von einer extremistischen Gruppe, die sich die Bradford Drummond-Eltern-Unterstützunge-Gruppe nannte, bringt es auf den Punkt: Man fragt sich, hiess es da, ob Mr. Honeyford als nächstes dafür eintritt, dass man schwarze Kinder in der Schule wie Vögel abschiesst. Nach einigen Monaten in diesem Stil verfügte sein Arbeitgeber, die Bradford Education Authority, er solle sich einer Art von öffentlichem Gericht unterziehen in einer lokalen Schule, unter Anklage der Unloyalität. Glücklicherweise argumentierte der Anwalt, der ihn vertat, so kräftig, dass diejenigen, die ihn verurteilen wollten, ihn freisprechen mussten.

Die Affäre forderte ihren Preis von ihm. Schliesslich war er keine Karriere-Poliker, sondern nur ein Schulmeister, der sich gegen das ausgesprochen hatte, was er für falsch hielt. Seine Gesundheit und die seiner Frau begann zu leiden, und als sein Vorgesetzter ihn heimlich treffen wollte und ihm 30,000 in bar anbot, damit er einwilligte, ferner keine Artikel mehr zu veröffentlichen in den nächsten drei Jahren, war er versucht darauf einzugehen. Seine Frau riet ihm jedoch ab und sagte. dass er niemals mehr er selbst sein würde, wenn er in einen schmutzigen Handel einwilligte.

Die Einschüchterung griff um sich und wurde zur Waffe gegen jeden, der Honeyford unterstützte. Ein Sikh, Ladenbesitzer, sagte ihm, dass er seinen Standpunkt unterstütze, worauf Honeyford erwiderte: Warum sagen Sie das den Leuten nicht im Fernsehen? Die Antwort war, dass falls er das tue, sein Geschäft mit Steinen beworfen oder niedergebrannt werden würde. Aus denselben Gründen verhielt sich die Mehrheit der Schulleiter in Bradford, die mit Honeyford übereinstimmten, privat still in der Öffentlichkeit.

Die Kampagne gegen Honeyford ging völlig über die Tatsache hinweg, dass niemals eine Klage laut geworden war über seine Kompetenz als Lehrer, oder etwa die Tatsche, dass es immer mehr Anmeldungen für diese Schule gab (meist von muslimischen Eltern) als frei Plätze. (Dass Moslems von westlichen Institutionen, die sie gleichzeitig bekämpfen, profitieren wollen, diese Mentalität ist bekannt. G.F.) Etliche Versuche von politischen Eiferern, beim Rat der Stadt die Kündigung seiner Stelle zu erreichen, schlugen fehl mangels legalen Gründen. Schliesslich jedoch willigte er in frühzeitigen Ruhestand ein: andauernde Belästigung, wenn auch ungerechtfertigt, ist zermürbend — und er wollte seinen Schülern, die wie er zur Schule mussten, das tägliche Spiessrutenlaufen durch die Schmäh-Posten ersparen. Obwohl das Unterrichten seine Berufung war, kehrte Honeyford nie in die Schule zurück. Stattdessen schrieb er einige Bücher über Rassenbeziehungen und Erziehung, und wurde ein freier Journalist.

Wenn man ihn heute trifft, fällt es schwer zu glauben, dass er je zum Streiten geboren sein sollte. Er lebt in bescheidener Zurückgezogenheit, ist von milden Umgangsformen und nicht aus der Ruhe zu bringen. Einst glaubte er naiv an die Freiheit des Ausdrucks und die Tugend der offenen Rede – früher eine Tradition im Norden Englands. Er dachte, dass verschiedene Meinungen toleriert würden, und hatte nicht begriffen, dass die Absichten jener, die für die kulturelle Verschiedenheit plädieren, darauf hinausliefen, ideologische Uniformität durchzusetzen. In seiner Naivität sprach er auch ein paar schmerzende Wahrheiten aus, die mit seinem zentralen Argument zusammenhingen: zum Beispiel dass Pakistan (das Ursprungsland der meisten Immigranten jener Gegend) im Lauf seiner Geschichte weder fähig gewesen war, demokratische Institutionen zu entwickeln noch eine Kultur der Toleranz. Wie zutreffend auch immer das sein mochte, so eine explosives Feststellung ermächtigte seine Verleumder zu der Behauptung, er werde von Vorurteilen geleitet: Ein nützliches Ablenkungsmanöver von Honeyfords grundlegendem Argument, dass die Einführung der muslimischen Kinder in die britische Kultur und Tradition notwendig sei für ihr eigenes persönliches Wohl und für die Zukunft und soziale Harmonie der Nation.

Aber es ist unmöglich, Honeyford länger zu kennen, ohne gewahr zu werden, dass er leidenschaftlich an die befreiende Kraft der Bildung glaubt und an die Pflicht der Schule, den Kindern der Immigranten dieselben bildungsmässigen Möglichkeiten zu geben wie jedem sonst. Sein einziges Bedauern über diese Affäre galt der Tatsache, dass sie seine Laufbahn als Erzieher drastisch beschnitt. Es ist ein Tribut an die Orwellsche Sprachregelung, dass ein Mann., der an diese Dinge glaubt, mit Erfolg als Rassist bezeichnet werden sollte.

Seine eigene persönliche Geschichte legt einige direkte Einsicht in die Probleme der Benachteiligten nahe. Sein Vater war ein ungelernter Arbeiter, der im Ersten Weltkrieg verwundet worden war und danach nur noch mit Unterbrechungen arbeiten konnte. Seine Mutter war die Tochter mittelloser irischer Immigranten. Seine Eltern hatten elf Kinder, von denen sechs in der Kindheit starben. Sie lebten in einem kleinen Haus in Manchester ohne Bad in der Wohnung (und nicht einem einzigen Buch). Er wuchs auf an einem Ort und zu einer Zeit, wo das nächste Essen nicht garantiert war. Doch trotz der Armut gab es keinen Gedanken an Diebstahl und jeder liess die Haustür unverschlossen.

Mehr wegen seiner Nerven als aus Mangel an Fähigkeiten schaffte Honeyford im Alter von elf Jahren die Prüfung nicht. zum Eintritt in die lokale selektive staatliche Grammar-school, ein garantierter (und bei weitem der einfachste) Weg heraus aus den Slums. Er erinnert sich, dass er enttäuscht war über sein Versagen, aber es war nicht der Schlag für sein Selbstbewusstsein, von dem heutige Erziehungsspezialisten behaupten, dass ein solches Versagen das sein müsse – sodass das erste Erziehungsziel darin bestünde, das Selbstwertgefühl des Kindes zu bewahren vor den Pfeil’ und Schleudern eines wütenden Wettbewerbs.
(the slings and arrows of outrageous competition – frei  the slings an arrows of outrageous fortune…- Hamletmonolog)
Wie es für die britische Arbeiterklasse üblich war zu dieser Zeit, verliess er die Schule bei der ersten besten Gelegenheit, um eine Arbeit zu finden, einen Bürojob, der ihn langweilte. Ruhelos, entschloss er sich zum Besuch der Abendschule, um eine höhere Schuldbildung zu bekommen und bekam dann die Zulassung zur Lehrerausbildung. Nachdem er sein Lehrerdiplom erhalten hatte, machte er den Bachelor of Arts durch einen Fernkurs und erreichte schliesslich ein master’s degree (in Linguistik). So ein Mann wird kaum anderen die Chancen versagen wollen: und seine Erfahrungen führten ihn zu dem Schluss, dass nur Bildungstraditionalismus den schwer Benachteiligten solche Möglichkeiten verschafft.
Obwohl es ihm selbst nicht gelungen war, zu einer selektiven Grammar-School zugelassen zu werden, bedauert er das Verschwinden dieser wesentlich meritokratischen leistungsorientierten Institutionen, die so vielen armen aber talentierten Kindern en Chance boten, sich dem mainstream anzuschliessen und selbst in Englands offener Gesellschaft sich auszuzeichnen. (Allein diese Tatsache spricht für seine Grosszügigkeit: (Wie viele sind in der Lage der Versuchung zu widerstehen, aus ihrem persönlichen Versagen ein allgemeines Prinzip zu machen?) Solche Schulen, die die Ideologen als elitär verdammten, hätten dazu beiragen können, den Unfrieden, der Bradford heute erschüttert, zu vermeiden, indem sie eine gemeinsame Kultur und eine gemischtrassige Elite geschaffen hätten. Sie hätten mit der Zeit (wenn auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit) die intelligentesten Kinder verschiedener Gebiete angezogen, hätten dauernde Freundschaften über die Rassen hinweg entstehen lassen, unter Leuten, die wahrscheinlich die prominentesten Bürger ihrer jeweiligen Gruppen geworden wären.

Stattdessen ziehen die Schulen heute Kinder von jeder Begabungsstufe an, aber nur von einem bestimmten geografischen Gebiet. Wenn dieses Gebiet nur weiss ist, dann wird die Schule nur weiss sein, wenn es muslimisch ist, dann wird die Schule muslimisch. Verschiedene ethnische und kulturelle Gruppen, deren Verschiedenheit in einer Bildungssülze konserviert wird – leben in geografischer Nähe, aber ohne jeden wirklichen Kontakt. Es bedarf keiner Hellseherei, um die Konsequenzen vorherzusagen.

Gewiss, die Kräfte, die den Muslimen von Bradford eine britische Schulbildung verweigern, haben sie auch den Weissen verweigert, die – aufgrund des neuen Bedürfnisses nach Multikulturalität – eine Schulbildung erhalten, die sie praktisch so unwissend in britischer Geschichte und Tradition entlässt wie ihre muslimischen Entsprechungen, ohne ihnen irgndein nützliches Wissen einer anderen Geschichte und Tradition zu vermitteln. Sie werden somit entlassen, um in einem Meer von Populärkultur zu schwimmen, ohne kulturelle oder moralische Orientierung, eine Beute für wirres, aber tiefsitzendes es Ressentiment, das diese Populärkultur ihnen so erfolgreich einschärft.
Die Kinder von Bradfords muslimischen Immigranten tragen auch den Stempel der Populärkultur und haben ein Gefühl von Verlust und von Ansprüchen, deren Erfüllung ihnen verwehrt ist, was das Ressentiment fördert. In der Tat, das ist der einzige Aspekt des Westens, mit dem sie, unausweichlich, irgendwelchen Kontakt haben. In einem muslimischen Gemeindezentrum, das ich in Bradford besuchte, kündigte die Moslem- Jugend- Liga einen Kurs von Lektionen an: Islam für den 21-.Jahrhundert-Typ.

Die Weichen sind gestellt für eine Schlacht miteinander wetteifernder Ressentiments. Wenn wir nur auf Ray Honeyford gehört hätten, dann hätten wir nicht gesät, was wir nun ernten, und was wir (und andere) ernten werden in vielen kommenden Jahren.

Ein Kommentar zu “Der Mann, der die Rassenausschreitungen voraussagte

  1. Enoch Powell sagte es schon 68 voraus!Er war ein geachteter Politiker und kein Rassist.

    (…) Ach ja in Liberia bekommen bis heute nur Schwarze die Staatsbürgerschaft. Hilfsgelder bekommen sie trotz dieses Rassitischen Gesetzes.

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